Raumklima - Behaglichkeit - Einergieeffizienz
Forum Neues Bauen • Juni 2010 • Ausgabe: 285/286
Martin Winkler, Energie- und Umweltmanager, HSG Zander GmbH, Austria
Raumklima und Behaglichkeit sind ein ständig fordernder Begleiter des Facility Managers. Beides wird von jedem Menschen anders empfunden und ist ein komplexes Zusammenspiel von Raumlufttemperatur, Temperaturunterschieden im Raum, relativer Luftfeuchtigkeit, Luftgeschwindigkeit sowie der Wärmestrahlung von Wänden und Fensterflächen, aber auch der Art der körperlichen Betätigung im Raum und der Anzahl der im Raum befindlichen Mitarbeiter. Alle diese Komponenten ändern sich kurzfristig und werden vor allem subjektiv und individuell wahrgenommen - ein fast unlösbares Problem, das sich täglich stellt.
Und selbst wenn wir dieses Problem für jeden Einzelnen gelöst haben, können wir mit fast 100%-iger Sicherheit davon ausgehen, dass wir keinen energieeffizienten Gebäudebetrieb mehr schaffen. Das wird dann spätestens bei der Betriebskostenabrechnung zum Thema, denn Komfort und Behaglichkeit kosten Geld, das dann plötzlich niemand zahlen möchte. Wir Facility Manager sind daher gefordert, diesen programmierten Konflikt auf der einen Seite, die Verbräuche niedrig zu halten und damit Geld zu sparen, bzw. auf der anderen Seite die Zufriedenheit der Nutzer hoch zu halten, erfolgreich zu lösen.
Für Architekten und Projektentwickler werden Punkte wie Betriebskosten, Lebenszykluskosten bis hin zum Nachhaltigkeitszertifikat der zu planenden Objekte immer mehr zum Thema. Die Zeiten der reinen Skelettbauten mit Glasfassade mit sehr dynamischen Lüftungs- und Klimasystemen zur Raumluftkonditionierung scheinen im Moment vorbei. Es geht hin zu intelligenten Fassadenkonzepten mit integrierter Beschattung, Niedrigtemperatursystemen (Betonkernaktivierung) und Lüftungsanlagen mit geringeren Luftgeschwindigkeiten, Grünzonen mit Pflanzen sorgen für höhere Luftfeuchte usw. All diese Konzepte sind zwar meist Träger im Regelverhalten, bieten aber auch konstantere Raumtemperaturen, weniger Luftzugerscheinungen, mehr Behaglichkeit und zusätzlich auch höhere Energieeffizienz.
Dabei ist weniger das Heizen, sondern vielmehr das Kühlen und die Herstellung der gewünschten Luftfeuchte die wesentlichen Kostentreiber - vor allem auch in der Durchrechnung über den Lebenszyklus, wo neben dem Energieverbrauch auch die Instandhaltung berücksichtigt wird. Bemerkenswert und nicht allen bekannt ist dabei, dass bei der Konditionierung von Frischluft neben der Temperaturanpassung vor allem die Änderung der Luftfeuchte enorm viel Energie verbraucht.
Nehmen wir z.B. das Jahr 2009, in dem vom Heizbedarf (Heizgradtage) her mit einem Verbrauchsanstieg von nur rund 2-3 % im Vergleich zum Vorjahr zu rechnen war. In vielen Objekten sind jedoch die Wärmeenergieverbräuche im selben Vergleichszeitraum geradezu explodiert - 10% bis 30% an Mehrverbrauch waren in manchen Objekten zu verzeichnen. Der Grund hierfür war die Notwendigkeit einer wesentlich umfangreicheren Entfeuchtung der Luft im Sommer. Vor allem in Häusern mit Kühldecken oder Kühlbalken muss die Zuluft, um Kondensatbildungen an den kalten Deckenelementen zu verhindern, entfeuchtet werden. Die Zuluft wird dabei unter den Taupunkt abgekühlt - Wasser kondensiert, die absolute Luftfeuchte sinkt - im Nachhinein muss wieder auf die erforderliche Raumtemperatur aufgeheizt werden, beides kostet Energie. Im Gegenzug muss im Winter die oft viel zu trockene Luft nachbefeuchtet werden, um ein akzeptables Raumklima zu schaffen - ein ebenfalls sehr energieintensiver Prozess. Aus diesem Grund sollten im Winter die Fenster nur zur Stoßlüftung geöffnet werden.
Um unangenehme Überraschungen bei der nächsten Betriebskostenabrechnung zu verhindern, lautet hier das oberste Gebot Bewusstsein zu schaffen, Grundlagen und Zusammenhänge zu vermitteln und die Mieter/Nutzer ausreichend zu informieren. Darüber hinaus ist ein gelebtes Energiemanagement mit den dazugehörigen Verbrauchsanalysen unerlässlich, um das notwendige Verständnis zu schaffen. Denn die Nutzer können, um einen energieeffizienten Gebäudebetrieb zu gewähren und somit die Betriebskosten niedrig zu halten, durch ihr Verhalten selbst noch sehr viel zusätzlich beitragen, um das Kostensenkungsziel zu unterstützen.
